Spontaner Veranstaltungshinweis: Die von mir hoch geschätze Eva Illouz liest heute aus ihrem aktuellen, fantastischen Buch mit dem Ratgebertitel Warum Liebe weh tut. Carolin Emcke liest aus Wie wir begehren. Das kenne ich noch nicht… Dennoch bin ich sicher, dass es ein schöner Abend wird (auch ohne mich). Ab 20 Uhr in der Autorenbuchhandlung am Savignyplatz.
Ich liebe Anna Dello Russo. Ich denke, sie ist komplett wahnsinnig und genau, deshalb habe ich sie so gerne, vor allem weil ich bei ihr immer den Eindruck habe, dass sie weiß, dass sie komplett wahnsinnig ist und dass es ihr egal ist. Sie ist es einfach. Sie ist das kleine Mädchen der Modewelt. Die Prinzessin, die in ihrer Naivität mit großen strahlenden Augen ihre kleine Nase an der Scheibe des Modemysteriums plattdrückt. Wenn ich sie sehe, dann bekomme ich sofort gute Laune. Dennoch werde ich wohl keines ihrer Stücke, die sie nun für H&M entworfen hat tragen. Da ginge es mit der Liebe dann doch ein wenig zu weit.
Tanzen und Vögeln und/oder so.
Was man eben so macht zum Beginn der schönen Jahreszeit. Für den ersteren Fall empfehle ich Florence and The Machine (am besten zum nächtlichen Autoherumfahren in einer Stadt wie Berlin) oder Azealia Banks zum Bewegen. Ich werde auf eine schamanische Reise gehen und einige Freunde besuchen.
Ein wesentlicher Teil meiner Doktorarbeit befasst sich mit dem digitalen Selbstporträt, speziell das, was in Modeblogs zum Einsatz kommt. In meiner Erschließung des Themas spielt allerdings auch das eine Rolle, was “im Geheimen” passiert. Eine nicht repräsentative Umfrage hat ergeben, dass eine nicht unerhebliche Anzahl von Menschen eine andauernder Liaison mit PhotoBooth hat und demnach eine Vielzahl digitaler Selbstporträts und das bevorzugt in Krisensituationen. Mirna Funk widmet im kommenden I Love You Magazine, welches sich mit dem Thema EGO befassen wird, eben diesen einen wunderbar tiefsinnigen Text.
Die Säulen, auf die ich meine Argumentation bei der Ergründung des Themas stütze sind Lacan (bzw. Zizek), Barthes, Hegel (bzw. Zizek), Wittgenstein (ein bisschen Nietzsche) und die Theorie der digitalen Fotografie (etwas Flusser und Baudrillard) nebst der Geschichte des künstlerischen Selbstporträts. Eine Theorie ist z.B. dass das digitale Selbstporträt etwas ganz anderes ist als das analog fotografierte, dass es in der Art des Entstehens einerseist der Malerei viel näher steht, als das analoge Foto, dass andererseits in ihm Zeitgeist kulminiert. Dass das digitale Selbstporträt weniger den zeigt, den es zu zeigen scheint, als das, was der sich selbst Fotografierende einerseits über Welt denkt, andererseits, wie Welt ist. Das ist bereits in der analogen Fotografie angelegt, gewinnt aber mit der Digitalität an Schärfe vor allem im Kontext der tsunamiartigen Bilderflut. So ist das digitale Selbstporträt vielmehr ein ausgestellter Kampf um die Existenz, denn eine Selbstvergewisserung, ein Hallo, ich bin auch noch da denn ein Hallo, das bin ich. In einer visuellen Gesellschaft, in der alles sein Dasein qua Bild attestiert, droht das, was nicht sichtbar ist, zu verschwinden, möglicherweise auch vor einem selbst. Der fortwährende Akt des digitalen sich-selbst-Fotografierens wird zu einem Selbstvergewisserungsakt und zwar über die eigene Position innerhalb einer sozialen Ordnung. Wie sehe ich aus als Teil dessen, was um mich herum passiert? Möglicherweise ist das, was im Akt des Sich-Selbst-Fotografierens passiert eine Art Dissoziation. Statt zu sich selbst zu finden über den Umweg des Außen, zieht das Foto einen aus sich selbst heraus. Statt die Gefühle zu fühlen, werden sie im Bildakt aus sich gestellt, negativiert. Die da im Bild leidet, ich aber nicht. Aus dem Leid Ausstellen wird ein Leid aus sich heraus stellen. Soviel an einem Montag morgen zu den Gedanken, die mich umtreiben. Jacques Derrida sagte einmal etwas über Fotos von sich selbst. Das Unbehagen ist da. Das zeitgenössische Selbstporträt hat etwas sehr unheimliches. (tbc)
Cicero sagt, das Philosophieren sei nichts anderes, als eine Vorbereitung zum Tode. Dieses kommt daher, weil das Studieren und die tiefsinnigen Betrachtungen unsere Seele einigermaßen außer uns ziehen, und derselben, ohne dass der Körper daran Teil hat, etwas zu tun verschaffen; welches gleichsam eine Anweisung zu dem Tode ist, und eine gewisse Ähnlichkeit mit demselben hat: oder vielmehr daher, weil alle Weisheit und alles Reden der Welt endlich darauf hinauslaufen, uns zu lehren, dass wir den Tod nicht fürchten sollen.
Es ist nun nicht anders zu sagen. Lacan entzieht sich jeder Transparenz. Wie auch ist etwas transparent zu machen, das sich unserem Verständnis per se entzieht. So schreibt Han: Der Mensch ist nicht einmal sich selbst transparent. Freud zufolge verneint das Ich gerade das, was das Unbewusste schrankenlos bejaht und begehrt. So scheint es nur konsequent, dass Texte über die Intransparenz des Menschen selbst intransparent sind.
Ich selbst lehne Transparenz nicht pauschal ab. Ich bin nur ein Gegner von der Idee, als Transparenz irgendetwas freilegen könnte, zu irgendwelchen tiefen Erkenntnissen führen wird. Die Post-Privacy Bewegung verlangt etwas in dieser Richtung. Ich bin ein Befürworter der Transparenz insofern als sie aufdecken kann, dass da nichts ist, was es zu verstehen gibt, dass es keinen Unterschied macht, ob ich verhüllt oder entblößt vor Dir stehe, das Geheimnis bleibt das gleiche. Fraglos geht mit einer Durchleuchtung etwas verloren, nur über den Zugewinn sollte man sich keine Illusion machen! Ich denke dass das des Pudels Kern in den Überlegungen Hans ist. Die menschliche Seele braucht offenbar Sphären, in denen sie bei sich sein kann ohne den Blick des Anderen, schreibt er. Ich stimme ihm zu, allerdings glaube ich, dass man der Seele diese Sphären nicht wird nehmen können, weil sie sich eben nicht durch Transparenz ins Sichtbare werden holen lassen. Das einzige was wir durch Transparenz gewinnen können ist die Erkenntnis, dass wir nichts gewinnen können. Das klingt zunächst tautologisch.
Ebenso, wie ich es wunderbar finde, dass sich die Topologie der Gewalt in uns selbst verlagert, der Druck in uns selbst dadurch steigt, finde ich jede weitere Enttäuschung hilfreich, weil sie den Menschen Schritt für Schritt auf sich selbst zurückwirft. Es führt letztlich kein Weg an der Auseinandersetzung mit sich selbst vorbei, jeder Weg führt einen dorthin (zurück). Die Frage allerdings bleibt, ob man das nicht abkürzen kann, ob man wirklich jeden Mist mitmachen muss. Gesamtgesellschaftlich betrachtet ja. Man muss wohl immer jeden Mist mitmachen. Sich solange in die gleichen Typen verknallen, bis man kapiert hat, dass kein Weg um einen selbst herumführt. (tbc)
"Lieber noch ins Café Adler gehen wir als ins Cadillac. Wenn uns auch beides nicht so recht gefällt, so ziehen wir doch das Café Adler dem Cadillac bei weitem vor. Im Cadillac, wie Ihr alle wisst, gedeiht die Niedertracht, das Gewöhnliche getarnt als das Ungewöhnliche. Vom Café Adler wissen wir nichts zu berichten. Und insgeheim hassen wir alle diese Cafés."