Zitat: Der schöne Schein des Fotobloggens

In der diesjährigen Sommerausgabe des H&M Magazins wird Maya Villiger (TurnedOut.tv) wie folgt zitiert: “Ich glaube es gibt einen Wunsch nach mehr Ehrlichkeit, die mit der Vielzahl an Blogs und Street-Fotografen etwas verloren ging. Am schönsten ist das Fotografieren und Betrachten von Streetstyle-Fotos doch, wenn nichts gestellt oder inszeniert wird, sondern alles einfach so ist, wie es ist, ganz unvollkommen.”

Die Bloggerin legt ihrer Sichtweise etwas zugrunde, was Eva Schürmann in Sehen als Praxis mit dem “unschuldigen Blick” bezeichnen würde, der Etwas als nicht Benanntes sehen kann, eben als das, was es vermeintlich ist, ohne Inszenierung, ohne kulturelle Zuschreibung – man könnte auch sagen, Etwas als Nichts sehen. Der Konstruktivismus und später der Poststrukturalismus argumentieren, dass immer alles schon Etwas ist, es den “unschuldigen Blick” also nicht gibt (das glaubt Schürmann im übrigen auch). Dass selbst – um im Beispiel zu bleiben – das “ganz unvollkommene” Streetstyle-Model ohne gestellt und inszeniert zu sein, gestellt und inszeniert ist, wenn auch als Nicht-Gestellt und Nicht-Inszeniert. Meine Pedanterie quält ein wenig meine Studenten.

Als weitere Lektüre empfehle ich an dieser Stelle Satres Theorie des Blicks in Das Sein und das Nichts – ausführlich dargelegt von Eva Schürmann (und von mir später hier auf modekoerper, sobald ich es fertiggelesen habe). Nichtsdestotrotz sind die Bilder von Maya schön. Allerdings bedarf der von ihr geäußerte “Wunsch nach mehr Ehrlichkeit” noch einer genaueren Betrachtung.

Ich bin diese ewige Unterscheidung von wahr und inszeniert ein wenig leid, solange mich niemand von der Existenz einer unumstößlichen Wahrheit überzeugen kann. Denn was Maya als uninszeniert präsentiert, ist vielmehr die Präsentation ihrer Vorstellung von Nicht-Inszenierung. Das macht einen großen Unterschied, besteht dies nämlich auf einer Vorstellung von Wahrheit als subjektivem Empfinden und suggeriert es nicht Etwas, das als Nichts erfahren und entsprechend benannt werden kann. Alles ist immer schon Etwas, ich sagte es bereits.



6 Kommentare

  1. vea wrote:

    Ich weiß nicht, ob’s nur bei mir so ist, aber seit etwa drei oder vier Posts wird mir die Seite hier so angezeigt:
    http://www.abload.de/img/modekorper3o7cz.png

    Nur wenn ich den Text markiere und in Word einfüge, kann ich ihn vollständig lesen. Entweder da stimmt was nicht bei meiner Technik oder hier hat sich irgendwas falsch eingestellt. Ich dachte, ich weise mal darauf hin.
    LG

    • mahret kupka wrote:

      Hm. Das ist interessant. Danke für den Hinweis. Also ich habe das Problem nicht. HAHA. Weder in Safari, noch in Firefox. Was benutzt Du denn für einen Browser? Bislang hat sich niemand sonst beschwert, aber das heißt ja nichts… Ich gehe dem mal nach!

      • vea wrote:

        eigentlich auch firefox… wenn das problem bisher bei keinem aufgetaucht ist, dann liegt es vielleicht wirklich n meinem browser, vlt ist da ja was nicht richtig eingestellt.
        trotzdem toller artikel. das lesen des magazins gab mir auch den anstoß darüber nachzudenken. das gefühl von inszenierung beim betrachtung solcher bilder ist ja unweigerlich da und je mehr vergleiche man hat, je mehr man dieser art gesehen hat, desto eher stumpft man an, kauft weniger ab. wenn man da noch über die beziehungsgeflechte und den mechanismus in der “modewelt” informiert ist, wird man umso misstrauischer. der inszenierung kommt also sicherlich auch eine art voreingenommenheit hinzu. andererseits: was ist schon authentizität? aber gut, ich bin gespannt auf die fortsetzung über nietzsches ansichten.

        • vea wrote:

          P.S.: der fall ist gelöst! ein mal die auflösung der seite reduziert und auf einmal wird alles angezeigt. sorry für den spam.

  2. Neele wrote:

    über dieses Gestellte habe ich gestern erst nachgedacht, als ich beim satorialisten gesehen habe, dass er bei seinem gang durch Mitte Bonnie Strange vor die Linse bekommen hat. Ja klar! Als ob die ZUFÄLLIG da gerade auf der Straße rumläuft, in dem Moment als er in genau DER straße seine fotos macht. Ja ne is klar…

    Ich für meinen Teil schließ mich also dieser Maya an, egal was die Konstruktivisten und Postsowiesowisten da so drüber denken…

    • mahret kupka wrote:

      HAHA. Na könnte schon sein. Ich treffe jedenfalls regelmäßig ihren BF in meinem Kaisers.
      Aber ne – Scherz beiseite – ich verstehe völlig was Du meinst! Und klar ist das, was Maya macht etwas anderes. Ich wehre mich nur etwas dagegen, das als UN-inszeniert zu betrachten. Es ist eine ANDERE Art von Inszenierung als die vom Sartorialist, aber so ist es doch noch immer eine, auch wenn mir diese Art viel eher zusagt!