lacan 02

Byung-Chul Han schreibt in Transparenzgesellschaft Die Nudität des Wortes nimmt ihm jeden Reiz. Sie verflacht es. Die Hermetik des Geheimnisses ist keine Diabolik, die es auf jeden Fall zugunsten der Transparenz abzuschaffen gälte. Sie ist eine Symbolik, ja eine besondere Kulturtechnik, die eine Tiefe, wenn auch als Schein, erzeugt. Damit bezieht er sich auf die Worte Augustinus’ der sagte, dass Gott Metaphern eingesetzt hätte, um die Heilige Schrift absichtlich zu verdunkeln, um Lust zu erzeugen: Diese Dinge werden deshalb wie mit einem figürlichen Mantel überdeckt, damit sie den Verstand des in frommer Gesinnung forschenden Menschen in Übung halten und nicht wertlos erscheinen, wenn sie unverhüllt und offen dargeboten werden. (…) Wenn es auf diese Art versteckt wird, so geschieht das nicht aus Mißgunst gegen die Lernwilligen, sondern es wird dadurch noch mehr herausgestellt, damit man nach ihm noch glühender sich sehne, wenn es sozusagen vorenthalten wird, und das Ersehnte dann mit um so grösserer Freude finde. Han dazu: Der figürliche Mantel erotisiert das Wort. Er erhebt es zu einem Objekt des Begehrens und lässt damit auch wieder an Lacan denken.
In seiner Einführung in das Denken Lacans, der als ungemein schwierig zu erfahren gilt (ich kann das nur bestätigen!) schreibt Slavoj Zizek: Es ist als würde Lacan zuerst eine bestimmte theoretische Linie auf direkte Weise mit all ihren Oszillationen und Sackgassen entwickeln, um dann fotzufahren und die Ergebnisse in einer präzisen, aber komprimierenden Geheimschrift zu kondensieren. Seine Ècrits werfen unlesbare, zweideutige Sätze aus, die oft wie Orakel erscheinen und den Leser dazu herausfordern, sie zu bearbeiten, in klare Thesen zu übersetzen und Beispiele und logische Beweisführungen für ihren Sinn zu suchen. (…) Oft muss der Leser sogar bestimmen, was genau Lacans These unter der Vielzahl an widersprüchlichen Formulierungen oder der Mehrdeutigkeit einer einzigen, orakelhaften Formulierung ist. Zizel weiter: In diesem Sinne sine Lacans Ècrits wie die Intervention eines Analytikers, dessen Ziel nicht darin besteht, den Analysanden mit einer vorgefertigten Meinung oder Behauptung zu versorgen, sondern ihn an die Arbeit zu setzen.
Aber womit beginnt man nun, wenn man sich selbst ein Bild von Lacan machen will. Mit seinen Ècrits oder mit den Seminaren? Zizeks Antwort ist weder noch (denn man wird vermutlich nichts verstehen) oder beide gleichzeitig, weil sie sich immer wieder aufeinander beziehen.
Mein Vorschlag wäre zudem, sich mit guter Sekundärliteratur zu befassen. Als gut empfahl Lacan selbst Jacques-Alain Millerder einzige, der weiß wie man mich lesen muss. Es gibt noch mehr, die es wissen, von denen Lacan aber nicht wusste. Zizek empfiehlt als allgemeine Einführung Sean Homers Jacques Lacan. Als klinische Einführungen führt Zizek an Bruce Fink: Eine klinische Einführung in die Lacan’sche Psychoanalyse: Theorie und Technik und Darian Leader: Warum Frauen mehr Briefe schreiben, als sie abschicken. (dazu auch später mal mehr!). Die seiner Meinung nach besten Essays über Lacan und die Philosophie sind Joan Copjec: Lies mein Begehren. Lacan gegen die Historisten und Alenka Zupancic: Die Ethik des Realen. Kant, Lacan.. Weitere Empfehlungen finden sich in Zizeks Lacan Einführung.
Und wenn ich noch etwas ergänzen darf, dann empfehle ich alles von Zizek zu Lacan. Zudem liegt auf meinem Schreibtisch: Die Stellung des Subjekts: Lacans Psychoanalyse von Christoph Braun.



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