den körper überwachen und strafen

Was ist daran verwerflich, an seinem Körper zu arbeiten? Genau dazu soll meine Mode animieren. Ich benutze sie als Disziplinierungsmittel. Sehen Sie, früher hatte ich ein paar Kilos zu viel auf den Hüften. Dann kam plötzlich Hedi Slimane mit seiner superschmalen Silhouette für Dior Homme. Um darin gut auszusehen, musste man richtig dünn sein. Und ich wollte darin gut aussehen. Wenn Sie so wollen, hat mir Hedi geholfen abzunehmen.

Anthony Vaccarello im Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Wie schön, dass wir Frauen Designer wie Anthony Vaccarello haben, sonst kämen wir wohl kaum auf die Idee uns einer gesellschaftlichen Ordnung zu unterwerfen, die immer auch eine Ordnung der Körper ist, wie wir spätestens seit Foucault wissen. Hier zu ordnen in disziplinierte Mager- und problematische Wabbelkörper jener Frauen, die nicht passen, die scheiterten bei der eigenen Überwachung und Strafung des ungeformten Fleisches.
Es ist nichts dagegen einzuwenden, Mode explizit für Magerkörper machen zu wollen (schließlich gibt es das auch am anderen Ende der Skala), aber die Aussage, die Herr Vaccarello hier trifft ist in höchstem Maße inakzeptabel. Entweder hat er tatsächlich nichts verstanden, wie der eine Kommentator des Interviews vermutet, war komplett zugedröhnt oder er ist ein chauvinistisches Arschloch. Was auch immer der Wahrheit entspricht. Er macht seiner Zunft keine Ehre auch wenn er möglicherweise einfach nur ausspricht, was viele denken:

Nicht jede Frau hat die Figur für meine Kleider. Aber für mich ist es ein Kompliment, wenn eine junge Frau sagt, dass sie in meine Entwürfe nicht reinpasst und davon träumt, so auszusehen wie die Models. Ich schaffe einen Anreiz dafür.

Ich hoffe dass ich mit meiner Lehrtätigkeit etwas zur Reflexionsfähigkeit beitragen kann und den Blick öffne für Möglichkeiten jenseits der ewigen Reproduktion herrschender sozialer Ordnungen.



3 Kommentare

  1. Meike wrote:

    Die Dicken, die infamen Menschen des Jetzt?

    Ich arbeite mich gerade durch Foucault und freue mich immer über deine Denkanstöße!

    • mahret kupka wrote:

      Vielleicht werden sich spätere Generationen mal durch Archive wühlen und wundern was es auf sich hatte mit diesen Fettleibigen, respektive all jenen, die jenseits der Größe 32 liegen.

  2. Mode Berlin wrote:

    Jede Gesellschaft und jede Zeit hat ihre eigene Vorstellung von Schönheit und Mode. Ich finde gerade diesen Wandel sehr interessant.