begehren

Nach Slavoy Zizek gibt der berühmte Truismus Jenny Holzers die fundamentale Zweideutigkeit der hysterischen Postition wieder. Er bietet zwei in gewisser Weise aufeinander aufbauende Interpretationen an. Entweder kann er als ironischer Verweis auf die männliche chauvinistische Standardweisheit verstanden werden, dass eine Frau, die sich selbst überlassen bleibt, sich in selbstzerstörerischer Wut verfängt – und durch wohlwollende männliche Beherrschung vor sich selbst geschützt werden muss (Wer sich hierfür weiter interessiert, dem empfehle ich die Lektüre von Elisabeth von Samsonows Entwurf der Anti-Elektra und da besonders das erste Kapitel). Hysterie wird in diesem Zusammenhang verstanden als Schwierigkeit das was man ist, von dem wie andere einen sehen oder begehren zu unterscheiden. Die andere Interpretation, die Zizek anbietet stellt eine Radikalisierung der ersten dar und zwar sieht er in der Aussage auch einen Hinweis auf die Tatsache, dass in der heutigen patriarchalen Gesellschaft das Begehren der Frau radikal entfremdet ist: Sie beghert, was die Männer als ihr Begehren erwarten, sie begehrt von Männern begehrt zu werden. Genauer: Wenn ich mein authentisches inneres Verlangen auszudrücken scheine, ist das, was ich will, mir immer schon von der patriarchalen Ordnung auferlegt worden, die mir sagt, was ich begehren soll. Die erste Bedingung für meine Befreiung ist es also, aus dem Teufelskreis meines entfremdeten Begehrens auszubrechen und zu lernen, mein Begehren auf autonome Weise zu formulieren. Doch was ist diese autonome Weise? Wie weiß ich wann ich autonom bin? Ich habe auf die Problematik bereits an dieser Stelle hingewiesen.
Selbstverständlich lässt sich die Aussage auch viel allgemeiner interpretieren, d.h. nicht nur auf die Postition der Frau in einem patriarchalen System, sondern überhaupt auf die Stellung innerhalb einer sozialen/symbolischen Ordnung. Dann stellt sich die Frage vielmehr nach dem autonomen Begehren allgemein. Was begehre ich, unabhängig von einer spezifisch gearteten Ordnung? (tbc)

aus: Slavoy Zizek: Lacan: Eine Einführung. Frankfurt 2011, S. 55f.



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