auf ewig das Andere.

ich bin ein Wilder, ein Kind – oder ein Verrückter; ich lasse alles Wissen, alle Kultur hinter mir, ich verzichte darauf, einen anderen Blick zu beerben.

— Roland Barthes. Die helle Kammer. S. 60

Mit Jacques Lacan gedacht ist dies ein hehrer Wunsch, der nie Erfüllung finden wird. Mit der Subjektspaltung, die gewöhnlich im Spiegelstadium in frühesten Lebensmonaten passiert, ist es aus mit (symbiotischer) Subjektivität. Das Sehnen danach, das Begehren mit sich selbst zu verschmelzen ist von nun an ein ständiger Begleiter. Das ICH wird zu einem Aushandlungsprozess zwischen dem, was wir als Subjekt fühlen und dem, wie wir anderen als Objekt erscheinen – um es knapp zu fassen. Das wilde, kindliche oder auch verrückte Sehen der Dinge ist passé (es sei denn man ist wild, Kind und/oder Verrückt, aber dann möglicherweise kaum in der Lage dies zu reflektieren. So ist es dann aber wieder die Reflexion, die dem Status nahezukommen versucht, den sie unmöglich machte). Ein heimeliger Wunsch bleibt und der Blick beerbt auf ewig das Andere. Seltsam, dass Barthes es so sagt, ist er sich der eigenen Ambivalenz doch durchaus bewusst. So kann man die Aussage als ein bewusstes In-die-Welt-Stellen begreifen, als ein So-Gesehen-Werden-Wollen. Innerhalb des Denksystems, in dem sich Barthes bewegt, ist die Aussage schlichtweg falsch. Das Eingestehen von Abhängigkeit ist auch nicht wirklich angenehm.



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