sorglose unfruchtbarkeit


henna by osma for white wash

“Zu sehen sind fast nur Frauen, für die die Gesetze des Materiellen nicht zu gelten scheinen: Sie sind nicht ‘materia’ und ‘mater’, nicht über Fruchtbarkeit oder Fleisch definiert, sondern bestehen aus makellos-neuen Oberflächen. Sie wirken technoid und perfektionieren damit ein Ideal, das so alt sein mag wie die Existenz von Metallschmuck, dank dessen Materialität es auch früher schon gelang, den Glanz der Augen, das Strahlen gepflegter Zähne und das Schimmern von Fingernägeln oder unbehaarter, glatter Haut hervorzuheben. Nun sind es Schönheitschirurgie, diverse andere Hightech-Errungenschaften und nicht zuletzt digitale Bildbearbeitungsprogramme, die in der Werbung gemeinsam vollenden, was ehedem mit ein paar Silber- und Kupferringen begonnen hatte: Die Frau wird zu einer glänzend-stromlinienförmigen Erscheinung und ist so virgin, dass kaum noch denkbar ist, sie könnte menstruieren. Begehren weckt sie gerade dadurch, dass sie jung und zeitlos wirkt, weder einem Zyklus noch dem Altern unterworfen, in sorgloser Unfruchtbarkeit.”

— Wolfgang Ullrich in Habenwollen – Wie funktioniert die Konsumkultur?



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