die tyrannische kraft der mode.
Es ist alltägliches Denken geworden, sich von verhüllten Frauen in irgendeiner Weise bedroht zu fühlen, bzw. von der dahinter vermuteten patriarchalen Macht, die die Frau zwingt ihre Reize zu verbergen, sie – so meint man gern – objektiviert und in ihrem Frausein beschränkt. Die Vorwürfe, die Burqa, Niqab und Co. entgegengebracht werden, sollen hier nicht entkräftet werden. Vielmehr geht es darum zu fragen, ob es der unverhüllten, westlichen Frau wirklich sehr viel besser geht, als der traditionell, islamischen. Ist die gewünschte, sexualisierte Freizügigkeit nicht ebenso Verdinglichung – wenn auch mit unterschiedlichen Mechanismen – und damit das Ablegen des Schleiers nur ein Wechsel vom Regen in die Traufe? Barbara Vinken plädierte vergangenen Mittwoch in ihrem Vortrag zum Thema Mode und Moderne im Berliner Museum für Kommunikation für mehr Bewusstsein. Tags zuvor im Interview mit der Berliner Zeitung sagte sie u.a.:
“Ich finde das Kopftuchverbot absurd. Es ist ziemlich unglaublich, dass die Moderne meint, sich mit radikal antimodernen Mitteln verteidigen zu müssen. Es gehört zur Moderne, dass das, was die Leute tragen, nicht mehr per Gesetz verordnet wird. Bereits Ludwig XIV. hat die Kleiderverordnungen abgeschafft. Allerdings hat Napoleon dann noch einmal verfügt, wer die Hosen an hat und Frauen unter Hosenverbot gestellt. Statt darüber nachzudenken, wie wir das Verhältnis von weiblichen Reizen und öffentlichem Raum – Verdinglichung, Prostitution, Fetischisierung, weibliche Selbstbestimmung? – handhaben, wird das Kopftuch von einigen Leuten, Feministen eingeschlossen, einfältig fundamentalistisch interpretiert. Ich finde es hässlich, dass wir Mädchen und Frauen dazu zwingen, von ihren Reizen mehr preiszugeben, als sie nach eigenen Aussagen möchten. Die durchgehende Erotisierung des weiblichen – und nur des weiblichen – Körpers ist die Grundlage der westlichen Mode und zwar von Kopf bis Fuß. Das kann man genießen, es zu leugnen, ist jedoch naiv.”
Und jetzt?
Es scheint, als kämen wir kaum drum herum, weiterhin neue Frauenbilder zu etablieren, mit natürlich, weiblichen Körpern, die in angemessener Kleidung stecken, die weder übertrieben erotisiert, noch künstlich verhüllt, was unübersehbar da ist. Es ist nicht so, dass auf diesem Gebiet nichts passiert. Eine Aufgabe dieses Blogs ist es auch, eben jene Prozesse sichtbar zu machen.




























Danke für die schöne Zusammenfassung, das ist ein Thema, zu dem es mich auch sehr hinzieht – Der Ausdruck von Weiblichkeit in der Kleidung, sexualisierte Massenmode und eben deren Gegenteil… Habe mit Fr. Vinken auch schon im Rahmen meiner letzten Seminararbeit sprechen dürfen, letztes Semester hat sie hier in München auch eine wunderbare Modevorlesung gehalten. Ihre behandelten Themen sprechen mich so gut wie immer an…
freut mich, dass es dir gefällt…